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Fehlalarme deutlich gesunken

05.01.2018

Eisenhüttenstadt (MOZ) Die Feuerwehr Eisenhüttenstadt musste im vergangenen Jahr zu 619 Einsätzen ausrücken, rund 100 weniger als 2016. Derweil kommt es inzwischen immer häufiger vor, dass Einsatzkräfte verbal angegangen werden.

Der Anwohner, der an der Feuerwehr seinen Ärger auslässt, weil er wegen eines Löscheinsatzes seinen Parkplatz nicht nutzen kann. Der Bürger der Vorwürfe macht, weil die Feuerwehr den vom Sturm abgebrochenen Ast nicht gleich in handliche Stücke zersägt: Tätliche Angriffe, die es unter anderem Silvester in Großstädten in Deutschland gegen Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter gegeben hat, kommen in Eisenhüttenstadt nicht vor. Doch Norbert Manteufel, Wehrführer von Eisenhüttenstadt, stellt vermehrt verbale Entgleisungen fest. "Wir versuchen die Einschränkungen für die Nichtbetroffenen bei Einsätzen so gering wie möglich zu halten", erklärt der Wehrführer. Bei "Gaffern", die die Arbeiten behindern, werde in der Regel sofort eingeschritten. Bisher habe das auch immer Wirkung gezeigt, so Norbert Manteufel.

Die Feuerwehr ist im vergangenen Jahr zu 619 Einsätzen ausgerückt, rund 100 weniger als 2016. Vor allem die Alarmierungen durch Brandmeldeanlagen (BMA) in den Standorten der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber sind deutlich zurückgegangen. 137 Mal haben BMA die Feuerwehr in Gang gesetzt, in 111 Fällen war es Fehlalarm, ein großer Teil davon in der Einrichtung in der Poststraße. Den Rückgang erklärt der Wehrführer unter anderem damit, dass inzwischen weniger Asylbewerber in den Einrichtungen wohnen. Oft genug wurden die Anlagen mutwillig ausgelöst. Doch BMA gibt es auch in vielen anderen Gebäuden und Industrieanlagen in der Stadt.

Da die Einsätze mit BMA unter die Rubrik Brände gezählt werden, ist deren Anteil mit insgesamt 250 Fällen sehr hoch, macht rund ein Drittel der Gesamtzahl aus. Normalerweise ist der Anteil der sogenannten technischen Hilfeleistungen deutlich höher, deren Zahl lag in Eisenhüttenstadt im vergangenen Jahr bei 369. Darunter fallen zum Beispiel die Beseitigung von Unwetterschäden, die im vergangenen Jahr fast doppelt so hoch waren wie 2016. Aber auch die Rettung von Personen in Not, spielt in einer Stadt, wo ein hoher Anteil der Bevölkerung alleinstehende älteren Menschen sind, eine Rolle. In 54 Fällen, also im Schnitt einmal in der Woche, wurde die Feuerwehr alarmiert, um dem Rettungsdienst Türen zu öffnen. Norbert Manteufel erzählt allerdings auch den kuriosen Fall. Ein Dieb war auf ein Dach geflüchtet, musste von dort "als Person in Not" von der Feuerwehr gerettet werden.

Zum Ende des vergangenen Jahres hat die Stadtverordnetenversammlung noch genehmigt, dass die Feuerwehr ein "junges gebrauchtes" Löschfahrzeug erhält. Es ersetzt ein 27 Jahre altes Löschfahrzeug, das im Löschzug Fürstenberg stationiert war. "Wir müssen das Fahrzeug ersetzen", betont Norbert Manteufel. Zur Realisierung einer neuen Feuerwache gibt es derweil keinen neuen Stand.

Neben den 24 hauptamtlichen gibt es 111 ehrenamtliche Einsätzkräfte, eine Zahl, die stabil geblieben ist.

 

KOMMENTAR: NICHT MECKERN - MITMACHEN

Eigentlich kann man nur den Kopf schütteln, wenn Bürger an Einsatzkräften, die ihren Job tun, um anderen zu helfen, ihren Ärger auslassen, sich in der Wortwahl vergreifen. Denn umgekehrt gibt es den Anspruch, dass einem so schnell und umfangreich geholfen wird, wenn es brennt oder man nach einem Unfall eingeklemmt in seinem Auto auf Hilfe angewiesen ist.Statt böser Worte sollte man den Feuerwehrleuten dankbar sein. Zwar hat Eisenhüttenstadt zum Glück auch hauptamtliche Kräfte, aber ein großer Teil der Einsätze wird von ehrenamtlichen Kameraden absolviert, die ausrücken, wo andere schon mit einem Bierchen auf der Couch sitzen. Und nicht nur das: Daneben müssen sie auch regelmäßig zu Schulungen gehen und sich weiterbilden, ebenfalls in der Freizeit. Wenn es diese Enthusiasten nicht geben würde, dann könnte die große Zahl an Alarmierungen, die es auch im vergangenen Jahr wieder in Eisenhüttenstadt gab, gar nicht abgearbeitet werden.Wenn alle, die meckern, bei der Feuerwehr mitmachen würden, müssten sich viele Wehren über Nachwuchssorgen keine Gedanken machen.Stefan Lötsch

 

Quelle: moz.de

 

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