Schriftgröße ändern:   
Link verschicken   Drucken
 

Alters & Ehrenabteilung

Seit über 60 Jahren im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr

 

Von Mathias Burkhardt

 

Am 23. September war es wieder einmal soweit, die Freiwillige Feuerwehr Eisenhüttenstadt, Löschzug Innenstadt, beging ihren alljährlichen Feuerwehrball. Dieses Ereignis wird gleichzeitig genutzt, um hervorragende Leistungen der Feuerwehrangehörigen zu würdigen. In diesem Jahr gab es etwas ganz besonderes zu feiern. Zwei Mitglieder wurden für 60 Jahre treue Dienste in der Freiwilligen Feuerwehr ausgezeichnet.

 

Erich Gosemann (84) und Kurt Krüger (81) sind die beiden Jubilare, die auf eine ereignisreiche Dienstzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr zurückblicken.

 

Angefangen hat die Feuerwehrkarriere, von Gosemann und Krüger, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, im Jahr 1946, in Schönfließ. Damals war Schönfließ noch kein Ortsteil von Eisenhüttenstadt, sondern ein eigenständiges Dorf mit circa 1700 Einwohnern, Handwerksbetrieben, der Holzwolle und eben der Feuerwehr.

 

„Mein Vater war schon in der Feuerwehr, so wurde eigentlich mein Interesse geweckt, und die Technik, das hat uns als junge Männer eben interessiert“, antwortet Krüger auf die Frage wie er denn zur Feuerwehr gekommen sei.

Die Feuerwehr in Schönfließ war damals in einem desolaten Zustand, die Bedingungen nach dem Krieg waren schlecht, erinnern sich die Beiden. Die Mitgliederzahl war gering, da viele Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr Schönfließ nach dem zweiten Weltkrieg, aus den verschiedensten Gründen, aus dem Feuerwehr Dienst ausgeschieden waren. Das Gerätehaus, welches am Schönfließer Platz stand, hatte keine Beleuchtung, und auch der Fußboden setzte sich nur aus einfach gelegten Steinen zusammen. Die Einsatztechnik bestand damals aus einem Tragkraftspritzen-Anhänger (TSA), welcher noch mit Menschenstärke zum Einsatzort gezogen werden musste.

 

„Ja so war das damals, ich weis noch die ersten Stiefel mussten wir selbst anfertigen beziehungsweise anfertigen lassen. Auch Einsatzkleidung war rar“, erzählt Krüger. Mit der Zeit konnte die Mitgliederzahl der Freiwilligen Feuerwehr Schönfließ, wieder erhöht werden. Vor allem viele Handwerker waren unter den Neuen. So blicken Krüger und Gosemann stolz auf das Geschaffte zurück: „Unser Maurer hat uns den Fußboden vernünftig gemacht, ein Zimmermann den Schlauchturm und der Elektriker hat für ausreichend Licht am und im Gerätehaus gesorgt“, entsinnt sich Gosemann. Dieser war mit der Zeit selbstständig, als Fuhrunternehmer.

 

Das Einsatzspektrum gestaltete sich im Gegensatz zu heute völlig anders. So vielfältige Einsätze, wie sie die Feuerwehrleute heutzutage absolvieren, gab es damals nicht.: „Für uns gab es nur Feuer und Wasser“, schildert Krüger und fügt hinzu, „der erste große Einsatz war in Pohlitz, ein Scheunenbrand, den Tragkraftspritzen-Anhänger haben wir an den Lkw von Erich Gosemann gehangen und sind dann nach Pohlitz gefahren“. Die Beiden erinnern sich daran, dass in ihrer Anfangszeit häufiger Scheunen branden oder bei starken Regengüssen viel ausgepumpt werden musste. Besonders die Neuzellerstrasse wurde oft von solch starken Regenfällen heimgesucht.

 

Die Feuerwehr in Schönfließ entwickelte sich. So wurde Anfang der 1950’er ein Mannschaftswagen beschafft. Ein Citröen, welcher aus Fürstenberg kam. „Den haben wir aus eigener Hand umgebaut, für eine neue Kopfdichtung sind wir extra nach Berlin gefahren“, erzählen Gosemann und Krüger.

 

Mit der Anschaffung neuer Fahrzeugtechnik, war es auch von Nöten ein neues Gerätehaus zu bauen. Dies geschah unweit vom Alten. Kurt Krüger riss seine Scheune ab, und auf der frei gewordenen Fläche entstand das Neue. Dies bezog mittlerweile die neue Stadt, zur Miete.

 

Die Laufbahnen der Jubilare gestalteten sich ziemlich unterschiedlich. Kurt Krüger war anfangs Maschinist. Er wurde in seiner ersten Zeit, bei der Feuerwehr, vom Kraftfahrzeugmeister Löwenberg, zum Pumpenspezialisten ausgebildet. Später übernahm er den Bereich Ausbildung. Schulungen hielten die Schönfließer Feuerwehrleute einmal im Monat ab. Dazu wurde ihnen ein Raum in der Gaststätte zur Verfügung gestellt, da im Gerätehaus kein Schulungsraum zur Verfügung stand.

 

„In der Anfangszeit gab es keine Feuerwehrschule, so mussten wir uns Wissen aus Büchern aneignen, sozusagen im Selbststudium. Später gab es dann in Bad Freienwalde eine Feuerwehrschule, dort absolvierten wir öfter Lehrgänge“, erzählt Krüger von der Ausbildung. Erich Gosemann hat die Führung der Wehr übernommen, er war Wehrführer der Schönfließer Feuerwehr. Ab 1961, mit dem Zusammenschluss zu Eisenhüttenstadt, war er Kommandostellenleiter der Kommandostelle Schönfließ.

 

Anfang der 1970’er, gingen die Schönfließer Feuerwehrleute nach Eisenhüttenstadt über, zum heutigen Löschzug Innenstadt. Dies war notwendig geworden, da sich in Schönfließ die Feuerwehr im Schrumpfen befand. Gosemann und Krüger störte dieser Umstand nicht. Sie und drei weitere Kameraden, waren von nun an in die Feuerwehr am Kanal integriert. Hauptsächlich arbeiteten sie ab diesem Zeitpunkt im vorbeugenden Brandschutz, und das immer mit Freude.

 

Viele werden staunen, wenn sie lesen, dass die beiden Jubilare, Gosemann und Krüger, heute noch gern zur Feuerwehr kommen. Sie gehören jetzt zur Alters- und Ehrenabteilung, welche die aktiven Feuerwehrleute immer tatkräftig unterstützt. So erledigen sie bei größeren Einsätzen, Übungen oder anderen Veranstaltungen schon mal die Küchenarbeit, um den aktiven Feuerwehrangehörigen unter die Arme zu greifen.

 

„Wir treffen uns einmal im Monat, um die Neuigkeiten in der Wehr zu erfahren und anstehende Ereignisse zu besprechen“, erläutern Gosemann und Krüger den Dienst in der Alters- und Ehrenabteilung.

 

Kurt Krüger und Erich Gosemann schauen gern auf 60 Jahre Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr zurück. Die Mitglieder der Feuerwehr Eisenhüttenstadt schauen, für diese ganz besondere Leistung, respektvoll zu ihnen auf.

Vor allem aber, möchten die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Eisenhüttenstadt, der Stadt Eisenhüttenstadt danken. Durch sie wurde die Würdigung, dieses besonderen Jubiläums, erst möglich.